Eine heruntergeladene ISO-Datei muss man nicht brennen, um an ihren Inhalt zu kommen. Linux kann sie als Dateisystem einhängen, und dafür gibt es drei Wege: den klassischen mit mount, einen ohne root-Rechte, und den, bei dem man gar nichts tippt.

Ohne root: udisksctl

Auf jedem System mit udisks, also praktisch jeder aktuellen Desktop-Distribution, geht es ohne sudo:

udisksctl loop-setup -f ~/Downloads/distro.isoCode language: Bash (bash)

Die Ausgabe nennt das erzeugte Loop-Gerät, etwa /dev/loop0. Auf einem Desktop-System hängt udisks das Dateisystem meist gleich selbst ein, üblicherweise unter /run/media/$USER/. Falls nicht:

udisksctl mount -b /dev/loop0Code language: Bash (bash)

Wieder loswerden:

udisksctl unmount -b /dev/loop0
udisksctl loop-delete -b /dev/loop0Code language: Bash (bash)

Das ist der Weg, den ich heute nehmen würde. Er braucht keine erhöhten Rechte, er legt keine Verzeichnisse an, die man später wieder aufräumen muss, und er funktioniert im laufenden Desktop genauso wie in einer SSH-Sitzung mit laufendem User-Bus.

Der klassische Weg mit mount

Wenn kein udisks läuft, etwa auf einem Server, bleibt mount:

sudo mkdir -p /mnt/iso
sudo mount -o loop,ro ~/Downloads/distro.iso /mnt/isoCode language: Bash (bash)

Aushängen und aufräumen:

sudo umount /mnt/iso
sudo rmdir /mnt/iso

Zwei Dinge, die in älteren Anleitungen stehen und heute überflüssig sind. Das Loop-Gerät muss man nicht mehr selbst benennen: -o loop genügt, der Kernel sucht sich ein freies. Und der Dateisystemtyp lässt sich weglassen, weil mount ihn erkennt. -t iso9660 fest vorzugeben ist sogar schädlich, denn viele DVD-Abbilder tragen UDF, und dann schlägt das Einhängen mit einer Fehlermeldung fehl, die nach einem defekten Abbild aussieht, aber keiner ist.

ro ist genau genommen auch redundant, weil ein Loop-Mount einer ISO ohnehin nur lesend geht. Ich schreibe es trotzdem hin, weil der Befehl damit selbst erklärt, was er tut.

Ohne Kommandozeile

Im Dateimanager reicht in der Regel ein Rechtsklick auf die Datei und „Öffnen mit Laufwerksabbild-Einbinder” unter GNOME oder der entsprechende Eintrag unter KDE. Dahinter steckt dasselbe udisks wie oben.

Was drin ist, ohne einzuhängen

Oft will man nur nachsehen, was in der Datei steckt, oder eine einzelne Datei herausholen. Dafür lohnt das Einhängen gar nicht:

# Inhalt auflisten
7z l distro.iso

# Eine einzelne Datei entpacken
7z e distro.iso boot/grub/grub.cfgCode language: Bash (bash)

bsdtar -tf distro.iso tut dasselbe und ist auf vielen Systemen schon da.

Die Prüfsumme nicht vergessen

Wer eine ISO herunterlädt, um sie anschließend zu installieren, sollte vorher prüfen, ob sie unterwegs heil geblieben ist. Die Distributionen veröffentlichen dafür eine Datei mit Prüfsummen:

sha256sum -c SHA256SUMS --ignore-missingCode language: Bash (bash)

Das erwischt einen abgebrochenen Download, aber keine Manipulation. Dafür braucht es die signierte Prüfsummendatei und den öffentlichen Schlüssel der Distribution:

gpg --verify SHA256SUMS.gpg SHA256SUMSCode language: Bash (bash)

Erst wenn beides stimmt, lohnt das Einhängen oder das Schreiben auf einen Stick.

ISO-Datei unter Linux mounten: mit und ohne root
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